G Camp 2017 – ein Erfahrungsbericht

G Camp 2017 – ein Erfahrungsbericht
torben

G Camp 2017 – ein Erfahrungsbericht

Allsommerlich richtet Krav Maga Global (KMG) als Dachverband unter der Leitung von Eyal Yanilov in Israel die P(ractitioner)-, G(raduate)- und E(xpert)- Camps aus. Nach unserem einwöchigen Trainingsaufenthalt im KMG HQ zu Jahresbeginn ist unser Instructor Torben erneut die Reise ins Ursprungsland des KM angetreten und hat vom 11.-16.06.2017 erfolgreich am G-Camp teilgenommen. Im Folgenden berichtet er von seiner Reise:
Neben dem regulären Training sind Themenseminare und Trainingswochenenden wichtige Gelegenheiten, um intensiv und unter hochrangiger Anleitung an Technik, Taktik, mentalen und körperlichen Fertigkeiten feilen zu können. Die international wohl bekannteste Veranstaltung dieser Art sind die alljährlich in Israel stattfindenden P-, G- und E-Camps. KM-Trainierenden und Instruktoren aus aller Welt bietet sich hier die Möglichkeit, vorhandenes Wissen zu überprüfen, neues Wissen zu erwerben und sich zum Abschluss einem gründlichen Leveltesting unter Leitung des Global Instructor Teams (GIT) zu unterziehen.
Der gesamte Ablauf ist wirklich hervorragend organisiert. Ich komme einen Tag vor Camp-Beginn am Sabbat an, was bedeutet, dass leider bis spät am Abend keiner der Züge fährt, mit denen man Haifa vom Flughafen Tel Aviv aus binnen einer Stunde problemlos erreichen kann. Das KMG HQ hat allen Teilnehmern aber schon im Vorfeld eine Liste mit alternativen Reisemöglichkeiten zukommen lassen und ich habe das Glück, mit einem Bus, der die letzten P Camp Teilnehmer von einer Sightseeingtour absetzt, direkt ins Hotel zu kommen.
Der Empfang vor Ort ist warmherzig. Das hervorragend gelegene Golden Crown Hotel beherbergt neben den knapp über 100 Teilnehmern das KMG-Büro, das täglich bis spät in die Abendstunden besetzt ist, daneben den Shop und einen Konferenzraum. Bei der Anmeldung erhält jeder der Teilnehmer ein Tasche, in der sich neben Lage- und Ablaufplan, Curriculum und Teilnehmershirt auch eine Rabattkarte für die nahegelegenen Restaurants und ein Beutel für den Wäscheservice befinden. Letzter ist absolut genial und beweist, wie viel Wert auf die Details gelegt wird.
Der erste Tag beginnt mit einem kompakten Überblick über das Programm der kommenden Tage und einer kurzen Runde, in der alle Teilnehmer sich gemeinsam nach Herkunftsland eingeteilt vorstellen. Wir lernen auch die für uns zuständigen GIT-Instructor kennen: Janni Suvanto (E4 aus Finnland) übernimmt die Gruppe, die sich auf G1 vorbereitet. G2 wird angeleitet von Natasha Naccarato (E1 aus Canada, mittlerweile in Norwegen lebend). Emmanuel Ayache (E5 aus Frankreich) unterrichtet G3, Rune Lind (E4 aus Norwegen) G4 und Ilya Dunsky (E4, Israel) ist für die G5-Kandidaten zuständig.
Wir widmen uns 4 Tage lang intensiv dem Curriculum, in großen Teilen gemeinsam, auch unter Anleitung von Eyal, den Rest der Zeit über wird gruppenspezifisch gearbeitet. Mindestens 6 Stunden am Tag, entweder in einer klimatisierten Halle oder am Strand unter der sengenden israelischen Sonne. Alle Transfers passieren gesammelt per Bus.
Unter den Teilnehmern der G-Level ist erfahrungsgemäß ein hoher Anteil von Instruktoren. Sich mit ihnen darüber austauschen zu können, wie sie ihre Trainings in ihren Heimatländern strukturieren ist äußerst spannend. Man vernetzt sich über Facebook und Instagram, die Abendstunden werden bei Restaurantbesuchen zum gemeinsamen Stärken und Austausch genutzt. Aber auch KMG organisiert Abendveranstaltungen in Form von Buffets und Drinks oder einer speziellen Ladies‘ Night.
Als größter Unterschied zu P-Level Veranstaltungen fällt auf, dass es immer weniger um das Einzelne, also spezielle Techniken geht, sondern darum, grundsätzliche Prinzipien zu erkennen und diese auf neue Problemstellungen zu übertragen und anzuwenden. Hier zeigt sich, wie stimmig das System strukturiert ist und das Vertrauen darauf wächst, dass man anhand der Lösungsmöglichkeiten, die man mittlerweile im Köcher hat, auch auf ungewohnte Situationen wird reagieren können.
Tag 5 ist komplett dem Testing gewidmet. Über sieben lange Stunden werden die einzelnen Gruppen auf Herz und Nieren geprüft. Nach dem Technikteil folgen ausgiebiges Fighting und Fitness. Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass das Testing ohne Vorbereitung vor dem Camp mit Sicherheit nicht bis kaum schaffbar ist. Dafür ist das Spektrum, das abgefragt wird, zu weit gefaßt, und auch unsere Instruktoren des GIT betonen immer wieder, dass Regelmäßigkeit und Konsistenz im normalen Training die Grundlage für Fortschritte und Verbesserung sind. Der Abend des Testings endet mit einem gelösten Get Together am Buffet und die KMG hat eine ganze Armada von Masseuren organisiert, die die geschundenen Teilnehmerkörper kostenfrei wieder geradebiegt, damit sie am kommenden Morgen unbeschadet ihre Zertifikate entgegennehmen können.
Der letzte Tag besteht aus ausführlichem individuellem Feedback, Verkündung der Ergebnisse und Überreichung der Urkunden. Es werden Fotos geschossen, Hände geschüttelt, Schultern geklopft. Man merkt den Stolz und die Erleichterung der Teilnehmer. Und tatsächlich komme ich erst an diesem letzten Tag dazu, mich gemeinsam mit einem Trainingskollegen aus München, den ich bereits von meinem GIC (General Instructor Course) kenne, etwas in Haifa umzuschauen. Ohne Trainings-Scheuklappen und Prüfungstunnel fällt auf, was für ein bezaubernd schöner Ort das eigentlich ist, an dem wir die ganze Zeit trainiert haben.
Abschließend möchte ich diese Tage nicht missen und plane, im kommenden Jahr wieder teilzunehmen. Sicher muss man etwas Zeit und auch Geld für die Camps investieren, aber dafür bekommt man letztlich auch eine Menge geboten. Am Ende darf ich erschöpft aber glücklich und vor allem ohne größere Blessuren und mit meinem neuen G4-Patch wieder nach Hause reisen.
Danke an Krav Maga Global – KMG HQ und all die wunderbaren Teilnehmer für die lehrreichen Tage und wertvollen Begegnungen!